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Forum
CH - Existenzgründer
Porträt
Softwired
Die
eigene Firma zu gründen, ist für viele ein Lebenstraum.
Doch der Weg zur Selbständigkeit ist dornenreich und mit
Stolpersteinen gepflastert. Das Zürcher IT-Unternehmen
Softwired hat den Schritt trotz Risiken gewagt.
January,
2001, von Cordula Niederelz
Es
ist ein Traum: eine eigene Firma gründen, sein eigener
Chef sein, für die eigene Befriedigung und das eigene Portemonnaie
arbeiten. Für viele bleibt es ein Traum. Einige versuchen,
ihn zu realisieren und scheitern und nur wenigen gelingt es,
aus einem Garagen-Start-up ein florierendes Unternehmen zu machen.
Einer der es versucht hat, ist Martin Erzberger.
Die
Idee, sich selbständig zu machen, hatten Martin Erzberger
und sein Geschäftspartner im Spätsommer 1996, im Februar
1997 wurde die Softwired AG ins Handelsregister der Stadt Zürich
eingetragen. Zuvor musste das Gründungskapital, in Höhe
von 100.000 Franken beschafft, Büroräume besorgt werden
und vieles mehr. Da die beiden Firmengründer die Möglichkeit
nutzen wollten, verbilligte Büros im Technopark Zürich
zu mieten, mussten sie einen Businessplan erarbeiten und einreichen.
Das war natürlich alles ziemlich anstrengend, doch
insgesamt verlief die eigentliche Gründungsphase relativ
problemlos", erinnert sich Martin Erzberger. Die Geschäftsidee,
Schulungen im Java-Umfeld anzubieten, und im Auftrag von Unternehmen
Java-Software zu entwickeln, erwies sich bald als erfolgreich.
So erarbeitete und leitete Softwired für Sun Schweiz Schulungskurse.
Das Problem der Finanzierung, das für viele Jungunternehmen
entscheidend ist, stellte sich zu diesem Zeitpunkt nicht. Das
Gründungskapital und genügend Geld für die ersten
Monate konnten wir privat aufbringen und danach erwirtschafteten
wir sofort Geld durch unsere Dienstleistungen", erklärt
Martin Erzberger.
Das
änderte sich erst im April 1998. Ein dritter Partner, Silvano
Maffeis, gesellte sich zu Softwired, im Gepäck eine Produktidee,
die in den Augen der Firmeninhaber über ein enormes Vermarktungspotenzial
verfügte. Für dieses Produkt existierte damals jedoch
lediglich ein Prototyp, sehr weit entfernt von dem, was
es heute ist ." Heute heisst diese Produkt iBus und ist
ein geschützter Markenname. IBus ist eine so genannte Middlleware,
also eine Software zwischen Endbenutzersoftware und Betriebssystem,
die den drahtlosen Datenaustausch zwischen Geräten ohne
Zeitverzögerung ermöglicht. IBus ist komplett in Java
geschrieben und somit plattformunabhängig. Das bedeutet,
das die Middleware mit jeder Hardware kompatibel ist, die Java
unterstützt.
Plattformunabhängige
Software liegt heute im Trend und drahtlose Kommunikation erst
recht - im April 1998, dem zweiten Geburtstag der Firma, war
das nicht so sicher. Das Geschäftskonzept der Firma wurde
radikal geändert: weg vom Dienstleistungs- hin zum produktorientierten
Unternehmen. Zum ersten Mal in der Firmengeschichte benötigten
die Inhaber wirklich Geld. Uns war klar, dass wir während
der Entwicklungsphase für relativ lange Zeit ohne jegliche
Einnahmen auskommen mussten", erläutert Martin Erzberger.
Venture Capital musste beschafft werden. Der Technopark Zürich
griff den Jungunternehmern unter die Arme und stellte den Kontakt
zu einem Kapitalgeber her. Dabei reicht es nicht, eine
coole Idee zu haben, man muss im Businessplan nachweisen, wie
man damit Geld verdienen kann." Softwired konnte mit der
Geschäftsidee, Lizenzen für das neue Produkt zu verkaufen,
überzeugen. Vermeiden sollte man den Fehler, zu schüchtern
aufzutreten, betont Martin Erzberger: Die Kapitalgeber
wollen Geld verdienen und man selbst offeriert Ihnen diese Möglichkeit.
Für sie ist es also auch ein gutes Geschäft."
Das
Wachstum von Softwired erfolgte schliesslich in mehreren Phasen,
abhängig von der Menge des Venture Capital. Da bei der
Gründung der Firmenwert noch nicht sehr hoch ist, muss
man in der Regel das notwendige Geld schrittweise aufnehmen.
Softwired tat dies zum zweiten Mal zum Jahreswechsel 1999/2000,
eine dritte Runde ist für das dritte Quartal dieses Jahres
geplant. Wieviel Venture Capital in Softwired steckt, verrät
Martin Erzberger nicht, gibt potenziellen Existenzgründern
aber gerne einen Tipp: Man sollte beim ersten Mal unbedingt
genügend Geld aufnehmen, in einem Fall wie dem unseren
mehr als eine Million Franken. Beim zweiten Mal sollte es fünf
bis zehn mal so viel sein."
Die
zweite Kapitalrunde verschaffte dem Unternehmen nicht nur seinen
bisher grössten Wachstumsschub, sondern auch einen weiteren
Partner, Henry Wild. Der brachte vor allem Erfahrungen aus der
Wirtschaft mit, was sich für Softwired als besonders lohnend
erwies. Wir anderen waren alle Techniker und hatten von
Unternehmensführung nur wenig Ahnung", sagt Martin
Erzberger. Dabei sei gerade dieses Wissen entscheidend.
Vieles
mussten die Inhaber von Softwired erst durch Erfahrung lernen,
etwa welch grosse Rolle der Faktor Mensch spielt. Das scheint
auf den ersten Blick eine Binsenweisheit zu sein, wird aber
von Firmengründern bei allen ausgeklügelten Businessplänen
häufig unterschätzt. Softwired hätten zwischenmenschliche
Differenzen beinahe ins Wanken gebracht. Der Partner, mit dem
Martin Erzberger Softwired gegründet hatte, verliess das
Unternehmen. Wir sind zum Glück einvernehmlich auseinander
gegangen. Ist das nicht der Fall, kann es die Existenz kosten",
meint Martin Erzberger nachdenklich.
Auch
einige andere Illusionen hat Martin Erzberger verloren, etwa
die, als eigener Herr könne man unabhängiger und selbstbestimmter
agieren als in einer grossen Firma. Heute sind es die
Kunden die unsere Arbeit bestimmen und wir sind auch nicht freier
als damals." Bereut hat er den Schritt in die Selbständigkeit
aber nie. Ich würde heute nicht mehr so viele Fehler
machen und lieber mit Leuten zusammenarbeiten, die Erfahrungen
mit einer Firmengründung haben", sagt Martin Erzberger.
Als besonders belastend empfindet er weniger die reine Arbeitszeit,
als die geistige Beanspruchung. Es ist schon sehr schwer,
abends abzuschalten", räumt er ein. Da denkt
man schon hin und wieder ans Aufgeben." Sinnvoll findet
er, sich eine Frist zu setzen. Wir haben uns damals versprochen,
das Projekt Softwired auf jeden Fall drei Jahre lang durchzuziehen,
auch wenn's schwierig wird." In diesem Monat feiert die
Firma ihren vierten Geburtstag. Und es sieht so aus, als würden
noch weitere folgen.