Zu
den Schrittmachern gehört die Zürcher Softwired. Gestartet
ist das Technopark-Unternehmen als Schulungs- und Dienstleistungsfirma
im Java-Umfeld. Das war 1997, und für Mitgründer Martin
Erzberger ist das beinahe schon graue Vorzeit. Denn unterdessen
ist aus dem einstigen Minidienstleister ein Hightech-Unternehmen
mit weltweiter Ausstrahlung geworden. «Wireless» heisst
das Zauberwort. Aufbauend auf dem plattformübergreifenden
Java Message Service, erlaubt es das Tool von Erzberger und Partner
Silvano Maffeis, Kommunikationsapplikationen zu programmieren,
die drahtlos die verschiedensten Geräte miteinander verbinden.
Dieser Tage kommt der iBus, eine Kombination aus einer schlanken
Serversoftware und einer Entwicklungsumgebung, als Standardversion
auf den Markt.
«Im
Prinzip», so Erzberger, «kann unser Miniserver in
allen Geräten, Fahrzeugen oder sonstigen mobilen Installationen
eingesetzt werden, die über einen Rechner verfügen.»
Ein gigantischer Markt, der bereits auch den Risikokapitalisten
Appetit gemacht hat: Nach einer ersten Finanzierungsrunde 1998
ist vor einem Jahr die zweite über die Bühne gegangen.
Der Personalbestand stieg sprunghaft von 7 auf nunmehr 30 an.
Und Ende 2001 werden Erzberger, Maffeis und Henry Wild - der Australier
wurde als CFO angestellt, amtet aber unterdessen als CEO - an
die hundert Namen auf der Lohnliste haben, verteilt auf Tochtergesellschaften
in Deutschland, Polen und den USA. Zu den Kunden des Uni-Spin-offs
zählen der Kopierapparatehersteller Xerox oder die amerikanische
Luftwaffe. Martin Erzberger ist deshalb überzeugt, dass der
iBus die Softwired bis in spätestens zwei Jahren in die schwarzen
Zahlen fährt. Erst dann will er den Sprung an eine Wachstumsbörse
wagen.
Solche
Töne beweisen, dass die Unternehmer der New Economy ihre
Lehren aus den Börsenwirren gezogen haben. Die Negativbeispiele
Complet-e und Miracle vor Augen, haben sie erkannt, dass ein IPO
nur dann Sinn macht, wenn die Firma mit marktreifen Produkten,
zufriedenen Pilotkunden und schwarzen Zahlen aufwarten kann.
Ein
Lernprozess, den Robert Wyss vom New Market der Schweizer Börse
(SWX) auch bei den Banken anmahnt. Er wünscht sich, dass
diese die IPO-Kandidaten nicht nur nach ihrem Potenzial, sondern
vermehrt auch nach ihrer Substanz bewerten. Der New Market soll
sich wieder auf seine Funktion beschränken: Unternehmen mit
ausgereiften, innovativen Produkten die Plattform zu liefern,
auf der sie sich die nötige finanzielle Kraft für die
Eroberung der internationalen Märkte holen können. Denn
die Kosten für die Etablierung eines Hightech-Produktes sind
enorm.
Wie
lange es dauern wird, bis der neue Realismus an den Börsen
das Vertrauen der Anleger wiederherstellt, wird sich weisen. Vertrauensbildend
dürfte sich auswirken, dass die Umsätze in den meisten
IT-Firmen boomen. Vor allem Unternehmen, die auf Grund ihrer Fokussierung
nicht auf Venture-Capital und Börsengeld angewiesen sind,
haben auch in diesem Jahr teilweise markant zugelegt. Sie produzieren
Produkte für einen Nischenmarkt oder sind ausschliesslich
als Dienstleister tätig und verdienen gutes, ja sehr gutes
Geld.
Jost
Dubacher und Stefan Kyora, Journalistenbüro Niedermann, Luzern
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