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-DIE NEW ECONOMY LEBT - UND WIE

 

The following extract is reprinted courtesy of Bilanz:

DIE NEW ECONOMY LEBT - UND WIE
REISST DIE KRISE AN DEN WACHSTUMSBÖRSEN DIE NEW ECONOMY IN DEN
ABGRUND? NICHTS DA: EIN BLICK AUF DIE JUNGEN IT-FIRMEN, WELCHE DIE
BILANZ IN DEN VERGANGENEN JAHREN PORTRÄTIERT HAT, ZEIGT EIN
ERFREULICHES BILD.
December, 2000, VON JOST DUBACHER UND STEFAN KYORA, BILANZ

Zu den Schrittmachern gehört die Zürcher Softwired. Gestartet ist das Technopark-Unternehmen als Schulungs- und Dienstleistungsfirma im Java-Umfeld. Das war 1997, und für Mitgründer Martin Erzberger ist das beinahe schon graue Vorzeit. Denn unterdessen ist aus dem einstigen Minidienstleister ein Hightech-Unternehmen mit weltweiter Ausstrahlung geworden. «Wireless» heisst das Zauberwort. Aufbauend auf dem plattformübergreifenden Java Message Service, erlaubt es das Tool von Erzberger und Partner Silvano Maffeis, Kommunikationsapplikationen zu programmieren, die drahtlos die verschiedensten Geräte miteinander verbinden. Dieser Tage kommt der iBus, eine Kombination aus einer schlanken Serversoftware und einer Entwicklungsumgebung, als Standardversion auf den Markt.

«Im Prinzip», so Erzberger, «kann unser Miniserver in allen Geräten, Fahrzeugen oder sonstigen mobilen Installationen eingesetzt werden, die über einen Rechner verfügen.» Ein gigantischer Markt, der bereits auch den Risikokapitalisten Appetit gemacht hat: Nach einer ersten Finanzierungsrunde 1998 ist vor einem Jahr die zweite über die Bühne gegangen. Der Personalbestand stieg sprunghaft von 7 auf nunmehr 30 an. Und Ende 2001 werden Erzberger, Maffeis und Henry Wild - der Australier wurde als CFO angestellt, amtet aber unterdessen als CEO - an die hundert Namen auf der Lohnliste haben, verteilt auf Tochtergesellschaften in Deutschland, Polen und den USA. Zu den Kunden des Uni-Spin-offs zählen der Kopierapparatehersteller Xerox oder die amerikanische Luftwaffe. Martin Erzberger ist deshalb überzeugt, dass der iBus die Softwired bis in spätestens zwei Jahren in die schwarzen Zahlen fährt. Erst dann will er den Sprung an eine Wachstumsbörse wagen.

Solche Töne beweisen, dass die Unternehmer der New Economy ihre Lehren aus den Börsenwirren gezogen haben. Die Negativbeispiele Complet-e und Miracle vor Augen, haben sie erkannt, dass ein IPO nur dann Sinn macht, wenn die Firma mit marktreifen Produkten, zufriedenen Pilotkunden und schwarzen Zahlen aufwarten kann.

Ein Lernprozess, den Robert Wyss vom New Market der Schweizer Börse (SWX) auch bei den Banken anmahnt. Er wünscht sich, dass diese die IPO-Kandidaten nicht nur nach ihrem Potenzial, sondern vermehrt auch nach ihrer Substanz bewerten. Der New Market soll sich wieder auf seine Funktion beschränken: Unternehmen mit ausgereiften, innovativen Produkten die Plattform zu liefern, auf der sie sich die nötige finanzielle Kraft für die Eroberung der internationalen Märkte holen können. Denn die Kosten für die Etablierung eines Hightech-Produktes sind enorm.

Wie lange es dauern wird, bis der neue Realismus an den Börsen das Vertrauen der Anleger wiederherstellt, wird sich weisen. Vertrauensbildend dürfte sich auswirken, dass die Umsätze in den meisten IT-Firmen boomen. Vor allem Unternehmen, die auf Grund ihrer Fokussierung nicht auf Venture-Capital und Börsengeld angewiesen sind, haben auch in diesem Jahr teilweise markant zugelegt. Sie produzieren Produkte für einen Nischenmarkt oder sind ausschliesslich als Dienstleister tätig und verdienen gutes, ja sehr gutes Geld.

Jost Dubacher und Stefan Kyora, Journalistenbüro Niedermann, Luzern

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